Zu den Ereignissen anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg

Die in der aktuellen Tagespresse sehr kontrovers diskutierte Debatte über ein mutmaßliches Fehlverhalten von Einsatzkräften der Berliner Polizei anlässlich des bevorstehenden G20-Gipfels in Hamburg haben wir in den letzten Tagen interessiert verfolgt.

Uns erreichte ein Stimmungsbild mit nahezu jeder Facette menschlicher Emotion, von Wut und Empörung über Solidaritätsbekundungen bis hin zur allgemeinen Erheiterung.

Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich auf den Spott nicht zu warten.

Es sei vorangestellt, dass ein Teil der erhobenen Vorwürfe, sofern sie denn tatsächlich zutreffen sollten, nicht dem kritischen Selbstbild der Berliner Polizei entsprechen.

Sie bedürfen, in angemessener Art und Weise, der Aufklärung.

Die Personalvertretungen haben dabei die Aufgabe, zu einer Versachlichung der medial und in den sozialen Netzwerken ausufernden Diskussion beizutragen und die persönlichen Belange der von ihnen vertretenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wahren.

Die pauschale Verunglimpfung ganzer Polizeieinheiten weisen wir in aller Schärfe zurück.

Die Vorgänge können durchaus als Chance gesehen werden, bestehende innerbehördliche Strukturen und Abläufe auf den Prüfstand zu stellen und selbstkritisch neu zu bewerten.
In einer sich ständig wandelnden Gesellschaft ist dies für die Hauptstadtpolizei eine Selbstverständlichkeit.

Wie immer gibt es allerdings auch bei der hiesigen Diskussion zwei Seiten der Medaille.

Bei aller berechtigten Kritik am Verhalten einzelner Einsatzkräfte der Berliner Polizei sollte jedoch ein Aspekt nicht unerwähnt bleiben. Es handelt sich um interne und keine öffentlichen Vorgänge.

Welcher Arbeitgeber möchte die alljährliche Weihnachtsfeier seiner Mitarbeiter in allen Einzelheiten in Erfahrung bringen oder anschließend zur allgemeinen Belustigung medial ausgeschlachtet wissen?
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Polizei geben zumindest ihre grundgesetzlich geschützten Persönlichkeitsrechte nicht an der Flurgarderobe ab.

Hier erweist sich der Hamburger Polizeipräsident als denkbar schlechter Gastgeber.

Was dort unter einem „hanseatischen Auftreten“ seiner Behörde verstanden wird, ist hier nicht nachvollziehbar. Gastlichkeit und Kollegialität scheinen jedenfalls nicht darunter zu fallen.

Die Berliner Polizei unterstützt uneigennützig und im gegenseitigen Benehmen bei der Aufrechterhaltung der Sicherheitslage in seiner Stadt. In einem föderalen Gefüge der gegenseitigen Amts- und Rechtshilfe ist dies ebenfalls selbstverständlich und notwendig.

Jedoch mag auch dieser Aspekt künftig auf den Prüfstand gestellt werden.

 

Jörn  Badendick